
Patrick Winter
Glaube braucht Entschiedenheit
Um der guten Nachricht, der Frohbotschaft, dem Evangelium zu glauben, heißt auch, eine Entscheidung zu treffen für das Unvorstellbare, das Unglaubliche. Noch mehr, es heißt, solche Geschichten und Erfahrungen zu erzählen, zu verkünden.
Das kann zum Beispiel der Glaube an einen Frieden unter den Völkern sein, die sich über Jahrzehnte, gar Jahrhunderte nur als „Erzfeinde“ begegnet sind. Daraus entsteht eine Geschichte von einzelnen Menschen, die Grenzen und Vorurteile überwunden haben, weil sie vom Frieden Gottes überzeugt waren und den ersten Schritt wagten.
Das kann beispielsweise der Glaube an Gerechtigkeit sein, der gerade dort wachgehalten wird, wo sie zu verschwinden droht. Gerechtigkeit wird so zur steten Mahnung an ein von Macht geprägtes System. Daraus entsteht eine Geschichte von Menschen, die gleich und unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht und ihrem sozialen Status behandelt werden.
Das kann zum Beispiel der Glaube an Wahrheit sein, die frei ausgesprochen werden darf, auch wenn sie für manche schmerzhaft ist. Daraus entsteht eine Erzählung, wie die Wahrheit das Falsche, Verlogenen, Halbwahre beiseiteschiebt und so ein neues Zusammenleben, das nicht mehr von Misstrauen und Lüge geprägt ist, ermöglicht. Sie erzählt auch vom Diskurs und Streitgespräch mit anderen Denkweisen, um die eigene Entschiedenheit gut zu begründen.
An diese Frohbotschaft zu glauben und sich für sie zu entscheiden, klingt lebensfremd. Doch eine solche Entschiedenheit bringt andere Erzählungen hervor. Sie stellen die Liebe Gottes, seine dauernde Entschiedenheit für uns, in den Vordergrund. Sie erzählen vom Mut, gerade dort Hoffnung zu bewahren, wo sie verloren scheint. Sie zeigen, dass Ohnmacht eine unglaubliche Stärke in sich trägt und freimachen kann. Sie verweisen auf die kurze Haltbarkeit einer bloßen Machtherrschaft. Sie halten den Glauben an eine gute und gelingende Zukunft der Erde wach. Dafür braucht es an manchen Stellen eine Umkehr. Eine Abkehr von Halbwahrheiten und Besänftigungen, Selbstvertröstungen und von Wegschauen. Es braucht eine Entschiedenheit für eine Gemeinschaft, die sich Gott und seiner Herrschaft anvertraut. In solch einer Gemeinschaft hat das Reich Gottes begonnen